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01.04.2015
12 Reflections on Risk: Hans Herrmann, Rennfahrer
Millisekunden vor einem herannahenden Zug rast er 1954 in Apulien mit 160 km/h über den geschlossenen Bahnübergang, überschlägt sich 1959 mit 280 km/h mehrfach auf der Berliner Avus und gewinnt 1970 auf dem Gipfel seiner Karriere das 24-Stunden Rennen in Le Mans in seinem Porsche 917. Rennfahren bedeutet für Hans im Glück das Leben, das er mit nichts in der Welt eintauscht.
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Hans Herrmann - der Hans im Glück unter den Rennfahrern

Anfang des Jahres 2015 ist der Rennfahrer Hans Herrmann 87 Jahre geworden. Es grenzt an ein Wunder, dass der ehemalige Rennprofi noch lebt, und das nicht wegen seines Alters. „Eigentlich müsse ich schon tot sein“ so Hans Herrmann selbst. Sein persönlicher Schutzengel hat hart gearbeitet und zwei mal absolute Meisterleistungen vollbracht. 1955 krachte Herrmann mit seinem Silberpfeil W196 in eine Steinbalustrade in Monte Carlo. Der Grund: Bremsversagen, von 170 km/h auf null in 4,5 Metern. Mit einem sechsfachen Oberschenkelbruch, gebrochenem Kreuz- und Steißbein kam er ins Krankenhaus.


 Vier Jahre später, beim großen Preis von Deutschland versagten wieder die Bremsen. Mit 280 Sachen rast sein Wagen auf die Südkurve der Avus zu. Um nicht in die Zuschauermenge zu fahren, steuert Herrmann bewusst auf die Strohballen zu. Der Wagen hebt ab und überschlägt sich unzählige Male. Der Pilot wird aus dem Auto geschleudert, fliegt dem Wagen 70 Meter hinterher und schlittert weitere 60 Meter über den Asphalt. Wie durch ein Wunder hat Herrmann nur Prellungen, Hautabschürfungen und einen gebrochenen Finger. Von da an hieß er nur noch: Hans im Glück.


Dabei war seine Zeit vor dem Rennfahren alles andere als schnell und riskant. Um den Kriegseinsatz zu vermeiden, beginnt er eine Lehre als Konditor und übernimmt von seiner Mutter ein Café in Stuttgart. Lange kann sich Herrmann daran aber nicht begeistern. Auf dem Schwarzmarkt kauft der Rennprofi bald sein erstes Auto, einen 1,5 Liter Vokriegs-BMW. 1952 nimmt Herrmann an seinem ersten Rennwettbewerb teil. Er lenkt jetzt einen Porsche 1300 und erfährt sich schnell einen Ruf. Ein Jahr später wird der „rasende Konditor“ ins Werksteam von Porsche berufen. Von jetzt an nimmt sein Leben wortwörtlich an Fahrt auf. Laut Herrmann müsse man immer am Grenzbereich fahren, das mache einen guten Rennfahrer aus. Seine Philosophie scheint die richtige gewesen zu sein. Er ist der einzige deutsche Rennfahrer, der die vier großen Klassiker seiner Zeit gewonnen hat: die 24 Stunden von Daytona, die zwölf Stunden von Sebring, die 1000 Kilometer von Paris und die 24 Stunden von Le Mans.  


24 Stunden entführt  


Seine Erfolge und Prominenz brachten aber auch ein persönliches Risiko. 1991 wurde Herrmann Opfer einer Entführung. Drei Täter überfallen ihn und seine Frau in ihrem Haus. Seine Gattin soll am nächsten Tag 300 000 Mark von der Bank holen. Als die Täter das Geld erhalten haben, stecken sie den Rennfahrer in den Kofferraum seines Autos, wo ihn die Polizei kurze Zeit später befreien kann. Wieder hat Hans Glück im Unglück.  


Wenn Hans Herrmann die Profis von heute sieht, kommt er immer wieder ins Staunen. Feuerfeste Anzüge, unzerstörbare Helme und Lenkräder, die Computern ähneln. Er und seine Kollegen haben im Polohemd im Wagen gesessen. Sicherheitsabstand und Auslaufzone Fehlanzeige. Wenn es krachte, brannten die Autos in Sekunden aus.  


Auch heutzutage sind Unfälle in der Formel 1 nicht auszuschließen. Im vergangenen Oktober zog sich Formel-1-Pilot Jules Bianchi bei einem Crash in Japan schwere Verletzungen zu und liegt bis heute im Koma. Trotz technischer Neuerungen und immer besserer Sicherheitsstandards werden auch in Zukunft tödliche Unfälle nicht auszuschließen sein. Hans Herrmann weiß, was den riskanten Sport trotzdem so reizvoll macht. 

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